Die Vergangenheit – ein Sprungbrett?

Kürzlich fand ich in einem Buch die Bemerkung, dass die Vergangenheit ein Sprungbrett sei und kein Sofa. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

Unter welcher Perspektive betrachten wir unsere Vergangenheit? Und was hat die Bibel dazu zu sagen?

Vermutlich kennen Sie Menschen in fortgeschrittenem Alter, die sich zur Ruhe setzen und sich etwas gönnen. Mit Blick auf die Vergangenheit möchte man die Früchte des langen Arbeitslebens endlich genießen. Das hat sicher seine Berechtigung, nicht mehr zu müssen, sondern zu dürfen. Doch ist es dann nicht leicht, auf einem Sofa Platz zu nehmen und den eigenen Einflussbereich nicht mehr aktiv und zukunftsorientiert mitzugestalten?

Der Gedanke an Vergangenes ist vielleicht für Menschen, die auf Negatives zurückschauen, besonders schwierig: Erlebte Ungerechtigkeit, verpasste Gelegenheiten, berufliche und private Unzufriedenheit führen manchmal zu einer tiefsitzenden Bitterkeit. Zorn verbaut eine konstruktive Sicht auf die Zukunft.

Mir gefällt die Sprungbrett-Idee:  Alles bisher Erlebte, Gelernte und ja, auch Durchlittene, hat das Potenzial, Ressource zu sein für das, was vor mir liegt. Und wenn man mit Gott unterwegs ist, kann das alles dazu dienen, Seinen Auftrag mit Überzeugung und Freude weiter auszuführen.

Die Bibel vertritt zwei scheinbar gegensätzliche Positionen. Zum einen ermutigt sie uns in Jesaja 43,18: „Denkt nicht an das Frühere, und auf das Vergangene achtet nicht!“ Die Erinnerung an Misserfolge, falsche Entscheidungen oder verfehlte Ziele einerseits macht uns vielleicht mutlos, andererseits führt eine Selbstzufriedenheit mit dem Bisherigen möglicherweise in die Untätigkeit. Bei beiden Perspektiven sind wir selbst im Fokus.

Der Psalmist dagegen sagt in Psalm 143,5: „Ich gedenke der Tage der Vorzeit, überlege all dein Tun. Ich sinne nach über das Werk deiner Hände.“  Der Blick zurück auf das Wesen, die Wege und das Wirken Gottes in unserem Leben ruft dagegen Dankbarkeit hervor, die anspornt, unter Gottes Führung nach vorne zu schauen und in zuversichtlichem Glauben und gespannter Bereitschaft Neues zu wagen. Das möchte ich jedenfalls tun, solange Gott für mich einen Auftrag hat.

(© Ulrike Krallmann, 2026)